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Zur Geschichte der Kaffeestube

Vor fast genau 20 Jahren wurde die Kaffeestube in den Räumen des Club zu Bremen neu eingerichtet. Ihre Existenz war bis vor einigen Jahren noch unbekannt, nicht zuletzt vermutlich auch deshalb, weil nicht nur der Schütting im 2. Weltkrieg ausbrannte sondern auch ein Grossteil seines ausgelagerten Archivs.
Die Bremer Kaffeewirtschaft sorgte dafür, dass die Kaffeestube rekonstruiert werden konnte und wir haben damals vom „Jacobs Suchard Museum zur Kulturgeschichte des Kaffees“ aus, nicht nur für die erste Ausstellung in den hiesigen Räumen gesorgt, sondern teilweise auch für die ständige Dekoration: Die Graphiken, die an den Wänden der Kaffestube hängen, sind Reproduktionen von Originalen aus der Sammlung des Kaffeemuseums in Zürich.
Dass diese Kaffeestube auf eine lange Tradition zurückblicken kann, lässt sich sehr schön aus dem Bericht eines anonymen englischen Reisenden des 18. Jahrhunderts entnehmen. Eine Zusammenfassung seines Berichtes ist im Dezember 1867 in der „Weser-Zeitung“ erschienen. Ursprünglich wurde dieser Text 1740 in London unter dem Pseudonym „The german Spy“ veröffentlicht und stammt vermutlich aus dem Jahr 1727. Der wahre Autor des Berichtes soll ein gewisser Thomas Lediard gewesen sein, der damals als britischer Bevollmächtigter lange Zeit in Hamburg gelebt hatte.
Der Autor berichtet u.a. folgendes: Mit seinem Begleiter am Ostersonntag in Bremen angekommen, kam er auf den Marktplatz, nachdem er vorher zwei Stunden vor dem Stadttor warten musste; denn während des Gottesdienstes blieben die Tore geschlossen. Lediard machte interessante kulturgeschichtliche Beobachtungen. „Kaum waren wir in der Stadt, so überfiel mich die Besorgniß, daß irgend eine Epidemie hier kürzlich gewüthet habe. Alle Welt schien mir in Trauer zu gehen, die Männer meistenteils in langen schwarzen Mänteln, die Frauen in schwarzen Schleiern, in schwarzen Kleidern, und so eingehüllt, daß sie aussehen wie die Trauermänner bei einem Leichebegräbniß. Mein Gefährte beruhigt mich jedoch, indem er mir erzählt, daß dies in der Stadt die Mode sei.“
Auf dem Marktplatz stiegen sie in den Schütting ab, der einerseits den Eltermännern als Versammlungsort diente, zugleich aber auch ein Gasthaus war. Dort erkundigte sich der Reisende nach einem Kaffeehaus in der Nachbarschaft, wo er sich ein paar Stunden in Gesellschaft unterhalten könnte und die Zeitung lesen könnte. Das war aber nicht möglich, denn offenbar hatte das Kaffeehaus an diesem ”heiligen Tage” nicht auf.
Dass der englische Reisende nach einem solchen Kaffeehaus fragte, ist nicht erstaunlich, denn zu jenem Zeitpunkt hatten sich die Kaffeehäuser in England schon längstens etabliert. Man bedenke, dass allein in London um 1700 über 2000 Kaffeeschenken existierten.

 
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